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Mountain madness

 

Juneli: Lodge, Shomare, Sulukhumburegion

 

Eigentlich dachte ich ja nicht, ihm auf 4040 m zu begegnen, aber er war ja auch ein Reisender

 

„Whatever you do or dream you can begin it! Boldness has genius, power and magic in it.”

                                        Goethe

 

 

2009:

Erste Reise nach Nepal, eines der wenigen asiatischen Länder, die ich noch nicht besucht hatte.

Katmandu, Pokhara, Royal Chitwan National Park und die Bergkette des Himalaya.

Der Lockruf von Miyolangsangma, der Göttin, welche den Gipfel von Mount Everest – Chomolungma (tibet. Name), Sagarmatha (nepali Name) – Mother of the Universe (8848 m) bewohnt. Im laufe des Sommers 2010 vernahm ich ihn immer noch, so eindringlich war die Aufforderung, dass ich sie nicht übergehen konnte. „Into thin air“, von John Krakauer - das Buch über das Everestdesaster hatte ich zwischenzeitlich gelesen, und die Faszination verstärkte sich. Jetzt war mir klar – 2. Reise nach Nepal – Everest Base Camp Trek – Dauer ca. 16 Tage – maximale Höhe 5545 m Kala Pattar, Schwierigkeitsgrad medium hard laut lonely planet – Start Lukla – beste Zeit September – November und März – April Wunschtraum!!! – Realität? Bei vorsichtigen Äußerungen gegenüber meinem Mann oder Bekannten gibt es äußerst skeptische Blicke und Ablehnung. Eine Dame von 52 Jahren sollte wohl solche Träume nicht haben.

Im Vorjahr sah mich schon  ein Trekking-Tour-Agent in Pokhara komisch an, als ich mich nach einem 5-Tage-Trek erkundigte, welcher als einfacher eingestuft wird als Base Camp.

Sehe ich wirklich so gar nicht tauglich aus, und bin ich es vielleicht auch nicht? Erfreut über meine Pläne war unser thailändischer Hund, Chang, er kam durch mein mittlerweile aufgenommenes Trainingsprogramm zu extra Strandläufen mit der Aufforderung: „come on, we go „Khumbu Ice Fall.““

Meine beiden Enkel, Leoni, 9, und Joscha, 7, waren jetzt schon stolz auf ihre Oma, obwohl ich noch keinen Schritt auf Khumbu-Boden gemacht hatte, und Unterstützung und Aufmunterung bekam ich von Menschen, die selbst schon Trekkingtouren gemacht hatten.

Und dann stand ich plötzlich am 2. Februar mit einem Ticket Kathmandu – Lukla – return open – um 5:30 Uhr morgens am Domestic Airport von Kathmandu und freute mich auf den ersten Nervenkitzel – Lukla gilt als einer der schwierigsten Airports. – Start und Landung –

 

Meine Vorbereitung: Belastungs-EKG und ärztliches o.k., eine spezielle Reiseversicherung und Info durch Lonely Planet Buch: „Trekking in Nepal“, täglich eine halbe Stunde schwimmen, ca. 45 Minuten rennen und schnelles gehen am Strand, 30 Minuten Yoga. Da ich beruflich in Bali war, im Dezember und Januar, trainierte ich dort, also bei tropischem Klima, was alles etwas schwieriger machte.

Wichtig für mich Brückenangstüberwindungstraining: Ich fand eine wackelige Bambusbrücke, ein Geschenk des Himmels, die überquerte ich täglich, und mein Selbstvertrauen wuchs.

Mehr Zeit konnte ich fürs Trainieren aus meinem „Pflichtleben“ nicht „abzwacken“.

 

31. Januar und 1. Februar hatte ich in Kathmandu mit dem Organisieren von Trekkingausrüstung verbracht, mir fehlte alles, außer Trekkingschuhe, diese hatte ich schon in Europa gekauft und in Bali eingelaufen, um Blasen, der Horror jedes Trekkers, zu vermeiden.

Zur Übernachtung hatte ich mir das Hotel Garuda ausgesucht – die legendäre Bergsteigerabsteige in Thamel. Man muss solch einen Trip ja unter besten Vorzeichen beginnen, und ich denke, der Segen und Schutz all dieser Mountain-Madness-Helden war mir somit gewiss.

Mein Guide: Mandabur Magar aus dem Solukhumbu-Gebiet, 38 Jahre alt und während der Saison Koch auf den verschiedenen Expeditionen und Camping-Treks in Nepal. Mein Reisemonat Februar liegt außerhalb der Hauptsaison und zählt noch zu den Wintermonaten, in denen fast nur Individual Trekker unterwegs sind. Für Mandabur war es eine Möglichkeit, etwas Geld extra zu verdienen, und ich hatte die perfekte Kombination, wie sich zeigen sollte: Bergführer (Guide) + Koch + Träger (Porter). Vermittelt hatte ihn mir Budhi Maya Sherpa, welche eine Trekking-Agentur betreibt und in Nepal, ihrem Geburtsort, sowie auch in Österreich zu Hause ist.

 

 

1. Tag:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2. Tag;

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3. Tag:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4. Tag:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5. Tag:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

6. Tag:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

7. Tag:

Flug mit 18-sitigem Flugzeug von Tara Air nach Lukla 2800 m – Glück gehabt – bis auf ein kurzes Stück keine nennenswerten Stöße in die Magengegend und klares Wetter – somit Traumsicht im Himalaya und geglückte Landung – was will man mehr?

Nach einer Teepause im Ort ging es gleich weiter. Erster Trekking-Abschnitt 2 ½ Stunden bis nach Phakding 2610 m, unserem ersten Übernachtungsstopp. Es war einfacher als ich dachte, stellte aber abends auch fest, dass wir im Vergleich zu Lukla an Höhe verloren hatten.

Wir waren die einzigen Übernachtungsgäste – welcher Luxus. Morgens kein Wasser auf dem Gemeinschaftsklo, ich dachte, es ist sicher abgestellt über Nacht, weil der Hahn sehr tropfte, bis man mir sagte „eingefroren!“ eigentlich logisch, aber im Moment nicht für mich, ich kam ja geradewegs aus den Tropen. Die erste Sensation Dhud Kosi River, ich kannte ihn nur aus Büchern, er befördert das Schmelzwasser meines Traumzieles, der Gletscher und Bergwelt der Khumburegion , hinunter.

 

Etappenziel Monjo 2840 m und Eingang zum Sagarmatha-National-Park. Es ist ein kleiner Gerbirgsort am Dudh Kosi Fluss, mit schönen Häusern aus von Hand behauenen Natursteinen und altem Kloster. Die dortige Gebetsmühle ist so alt, dass man an die gegenüberliegende Wand die Aufforderung „bitte langsam drehen“ schrieb um sie vor Schäden zu schützen.

Übernachtung im „Top Mill´s Guesthouse“, das eine Sherpafamilie führt, mit der für Freundlichkeit bekannten Art dieser Gegend entstammenden Menschen und der Besonderheit der „Hüpfoma“, wie ich sie nenne. Es ist eine Großfamilie, und die Oma des Hauses ist so klein, dass sie auf den allerorts bekannten, in Touristengegenden typischen Plastikstühlen mit Standardmaßen nur mit einem kleinen Hüpfer zu sitzen kam, ihre Füße baumelten dann immer in der Luft, „Bodenhaftung“ gab es nicht.

Abends wurde der Holzofen angeheizt, für längere Zeit war dies für mich der wärmste Platz, da im Gebiet des Nationalparks das Fällen von Bäumen verboten ist. Getrockneten Yakdung verwendet man im Nationalpark zur Befeuerung , er erzeugt aber nicht diese gemütliche Wärme. Generell bemühen sich die Sherpas sehr um den Schutz ihrer Natur, es wurde viel Aufklärungsarbeit geleistet, um so mehr stimmt es traurig, dass die Temperaturen jährlich um ca. 0,5 Grad steigen, dass sie die Berge noch nie mit so wenig Schnee gesehen haben wie dieses Jahr und dass der „kleine Mann“ sich so viele Einschränkungen auferlegt und bei den Klimagipfeln fast nur „geprasst und geblubbert“ wird, was selbst Yvo de Boer nach der letzten Konferenz zum Weinen brachte, jedoch „nicht zum Rücktritt“, wie er erklärte, Tatsache ist aber, er legte sein Amt kurz darauf nieder. Das erinnert alles etwas an „der Kongress tanzt“ … hatten wir doch schon mal.

 

Es ist wunderschön, morgens aufzuwachen und zu wissen, man hat „nur zu laufen“. Die Stille ringsum ist traumhaft, und ich frage mich, weshalb ich nicht schon früher in die berge kam, wenn ich Ruhe suchte.

Heute 4 ½ Stunden und das meiste bergauf. Es geht nach Namche bazar, 3440 m, dem größten Ort auf der Trekkingroute. Hier werde ich auch mit meiner Brückenangst konfrontiert, also entweder endet hier die Trekkingtour oder…

 


Geschafft, alle Brücken überquert. Wir haben heute 800 Höhenmeter bewältigt, und die letzte halbe Stunde ging es fast senkrecht Felsstufen hinauf zur „Sunshine Lodge“ in Zarok, einem kleinen Ort oberhalb von Namche Bazar. Das Guesthouse wird von Budhi Maya Sherpas Mutter, einer für diese Gegend typischen Frau betrieben, herzlich, selbständig in ihrer Art und körperlich erstaunlich fit.

 

 

Auch im Alter legen diese Menschen hier große Strecken zu Fuß zurück, da es zur Fortbewegung sonst nur Pferde, Maultiere oder Flugzeuge gibt – weder Autos noch Motorräder. Herz- und Kreislauferkrankungen sind in der Region nahezu unbekannt. Ein kurzer Stopp in der Bakery ist natürlich Pflicht, und man verzehrt schon mit einem bisschen inneren Stolz den berühmten Apfelkuchen von Namche Bazar, auf 3420 Höhenmetern.

 

 

Akklimatisation: Um Höhenkrankheit zu vermeiden, bleibt man einen Tag länger auf gleicher Höhe zum Schlafen, wobei man Ausflüge in die nähere Umgebung macht.

Bei mir geht es am Shyangboche Airstrip (3790 m) vorbei, mit dem kleinsten Abfertigungsgebäude und der Landbahn, die nur eine Grasfläche ist, Flugzeuge mit Platz für 8 Passagiere landen und starten hier. Dann weiter nach Khunde, in diesem Dorf wurde 1961, 8 Jahre nach der ersten geglückten Everestbesteigung von Sir Edmund Hillary und Tenzing Norgay die erste Hillary-Schule im Khumbu-Gebiet gegründet, heute besuchen sie 350 Kinder.

Khumjing (3780 m) ist das nächste Dorf, dort ist ein kleines Kloster, eine Gompa, sie wird auf Anfrage für den Besucher aufgeschlossen, und man kann den legendären Yeti-Skalp besichtigen, der eng mit der Geschichte des Dorfes verwoben ist.

Nach kurzem Aufstieg dann das Everest View Hotel. Es ist laut Guiness Book of Records das höchstgelegene Hotel der Welt, auf 3880 m. Hauptsächlich beherbergt es japanisches Publikum. Von der Terrasse hat man einen der schönsten Blicke auf den Mount Everest. Wir machen eine Riesenfotoorgie. Übrigens, Japaner glauben fest daran, wenn man in den Bergen stirbt, geht es direkt ins Paradies.

Bei uns geht es erstmal wieder zurück zur „Sunshine Lodge“, wo jedoch schon die Wolken aufziehen und den 360°-Blick auf die Berge verhüllen. Es tanzen auch die ersten Schneeflocken dieser Reise.

 

Etappenziel Tengboche (3860 m)

Wir erreichen es nach ca. 4 ½  Stunden. Dort besuchen wir das bekannte Kloster und holen uns den Segen für eine gute Weiterreise, wie es vor uns schon die Helden dieser Bergwelt getan haben, auch werden Butterlampen angezündet, und es ist wirklich ein Ort, der seinen Besucher verzaubert.


Bei den Riesenfüßen aus Stein des Lamas Sange Dorje oder „Flying Lama“, wie die Legende ihn nennt, welche am Eingang stehen, dachte ich nur `die können aber ganz schön kalt werden und frieren, da habe ich doch lieber meine kleinen Füße`.

 

Erste Yaks, wie Urmonster sehen sie aus. Unentbehrlich zum Transport, für Wolle, Heizung und die weiblichen, genannt „Naks“ natürlich für Milch, Käse, Butter. Wir besteigen den Gipfel, welcher dem Kloster gegenüberliegt und genießen den Blick von dort oben unter bunten Gebetsfahnen, die im Wind flattern. Im Norden Ana Dablam (6856 m) und das Massiv Everest (8848 m), Nuptse (7861 m) und Lothse (8501 m), südlich Kantega, Thamserku, Kongde Ri und das Kloster Tengboche mit Khumbila im Hintergrund.

Die Nächte werden unangenehmer, die Schlaflosigkeit der Bergregion, bedingt durch die Höhe, stellte sich schon vor zwei Tagen ein. Alles wird anstrengender und beschwerlicher.

Abends gehe ich immer mit einer vollen Thermosflasche heißer Zitrone zu Bett, ich wache manchmal auf und habe Riesendurst. Vier Liter Flüssigkeit ist Pflicht auf der Tour für mich, die Gefahr von Dehydration ist groß.

 

 

Heute ca. 5 Stunden bis Dingboche (4360 m), unserer nächsten Station. Es geht zum ersten Mal über 4000 Meter. Manche mussten schon umdrehen, andere haben leichtere Symptome von Höhenkrankheit und wieder andere bleiben von all dem verschont, bis jetzt.

 

Es sind nicht viele Trekker unterwegs um diese Jahreszeit, die noch zum Winter im Himalaya zählt, aber ich habe bis jetzt Glück, täglich Sonne und klare Sicht auf die Berge, nur ab nachmittags, nachts und morgens ist es empfindlich kalt, und ich krieche immer mit der pinkviolettfarbenen Zöpfchenstrickmütze in meinen Daunenschlafsack. Die Farben trotzen der Kälte und machen fröhlich, habe mein schulterlanges Haar schon lange zu Zöpfen geflochten, gefrorenes Wasser taugt einfach nicht zum Haarewaschen, und Erinnerungsfotos werden jetzt häufiger mit Sonnenbrille gemacht. Ein Blick in den Spiegel und die Frage „bin ich´s wirklich?“

Seit drei Tagen habe ich auch meine „Tage“, was die Meinung mancher „Freunde“ widerlegt, die Idee zu diesem Trip sei ausschließlich ein Menopauseflip. Es wird  einem nicht einfach gemacht, mit ein paar Falten noch aus der Reihe zu tanzen. Faltenlose Gesichter, sprich die Jugend, genießt da mehr Toleranz.

Wir erreichen Dingbache (4360 m), für mich der schönste Platz bis jetzt, müde, aber glücklich. Ich bekomme mein erstes Zimmer mit eigener Toilette im Hotel „Family“, ein Luxus. Preise für Getränke und Essen sowie batterie aufladen für Kamera merklich höher. Sprite, Softdrinks oder 1 Liter Wasser 3 Euro. Es wird eben alles per Hubschrauber und Flugzeug eingeflogen und dann von Mensch oder Tier weiterbefördert. Selbst Balken zum Bau der häuser kommen von außerhalb des Naturschutzgebietes, und Träger, welche selbst ca. 60 kg wiegen, sind somit manchmal mit Holzlasten von 90 – 120 kg unterwegs.

Mensch ca. 90 -120 kg = 3 Tage von Lukla nach Namche

Yak bzw. dzo oder dzopkyo (Kreuzung zwischen Yak und Kuh) ca. 70 kg  = 2 Tage von Lukla nach Namche.

Muli ca. 60 kg = 1 Tag von Lukla nach Namche

Lastenträger kommen oft aus der ärmeren Solugegend in das Khumbugebiet der Sherpas sozusagen als Gastarbeiter, labile Charaktere setzen den Verdienst in Alkohol um oder verfallen dem Spiel, manche bewahrt die Religion, sei es Buddhismus oder Hinduismus oder Christentum, davor. Generell ist die Religion allgegenwärtig hier, und man dankt in kleiner Andacht auch vor den Mahlzeiten.

Es ist noch früher Nachmittag, und wir besteigen einen kleinen Gipfel, auf dem eine kleine Gompa mit Gebetsfahnen ist, damit mir das Schlafen besser gelingt, also wieder das Prinzip – am Tage höher sein als bei Nacht zum Schlafen. Es ist ein Platz, der verzaubert, die Höhe und der Ausblick arbeiten beide hart daran, einem die Luft zu nehmen, dies ist im wahrsten Sinn des Wortes das Gefühl des „atemberaubenden Blicks.“

Die nächste Station der Tour lässt sich in der Ferne ausmachen, eine Miniansammlung von Gebäuden, „Chhukhung“, 4730 m. Es ist ein Trip zur Akklimatisation, die man in Dinboche oder spätestens dort machen soll. Ich fühle mich noch recht wohl, schätze aber inzwischen so ca. 3 kg abgenommen zu haben. Fertigsuppen, Reis, Nudeln, Weißkohl und Eier sind nicht gerade die Dickmacher bei diesen körperlichen Strapazen, und ich bin froh, meine kleinen Helfer, Vitamine und Mineralstoffe dabeizuhaben. Jeden Tag Tsampa und Dhal Bath, „the powerfood for sherpas, guides and porters“ geht auch nicht für den europäischen Gaumen.

 

Es geht in 2 ½ Stunden nach Chhunkhung, das kleine Teehaus auf halbem Weg ist leider geschlossen, und wir gehen weiter, die Luft ist merklich dünner, und ich benutze trotz Kälte meinen Gesichtsschutz nicht.

Bei der Ankunft im Chhunkhung Resort machen sich die 370 zurückgelegten Höhenmeter bemerkbar.

Mir ist schwindlig, und ab und zu drifte ich etwas weg, dann dringt immer wieder die Stimme des Giudes zu mir durch „nicht einschlafen“, dies fördert die Höhenkrankheit.  Solch ein Nickerchen tagsüber ist nur beim Abstieg erlaubt. Mein Guide überredet mich zum Kartenspiel, um im Hier und Jetzt zu bleiben. Beim Mischen fallen mir anfänglich die Karten aus der Hand, also auch leichte Koordinationsschwierigkeiten, jedoch keine Kopfschmerzen, keine Appetitlosigkeit oder Brechreiz. Nach 4 ½ Stunden ist das Schlimmste erstmal überstanden, und ich fühle mich wieder meinem Körper zugehörig. Ich habe durch eine kleine Tür gesehen, jetzt kann ich nachvollziehen, weshalb Bergsteiger manchmal keine Anstrengung unternehmen, dem Erfrierungstod in der Höhe zu entrinnen.

Chhunkhung, der Ort umgeben von Bergen und Gletschern, ein weißes Wintermärchen.

Es kommen noch zwei Besucher, der Guesthousebesitzer und sein Begleiter. Dies hat für uns den enormen Vorteil, dass die weiblichen Angestellten den Ofen besser befeuern und sich mehr der Arbeit widmen als dem Flirt mit den männlichen Exemplaren dieser Höhenregion.

Ich habe ja Verständnis, dass man hier in Kälte, Höhe und Einsamkeit näher zusammenrückt, aber mehr leiden als nötig möchte ich deshalb auch nicht.

Morgen will ich Fotos machen. Nuptse Gletscher, zweimal Lhotse Gletscher, Island Peak (6189 m), die ganze für mich unwirkliche, märchenhafte Wirklichkeit.

 

Der Himmel zieht sich zu, aus meiner kleinen Bergerfahrung in Österreich tippe ich auf Schneefall, manche der Arbeiter meinen jedoch, es sei zu kalt dazu. Viel Knoblauchsuppe abends gegen Höhenkrankheit, zu Bett gehen – schlafen kann ich es nicht nennen, insgesamt zwei Stunden die Augen zugemacht. Wasser für Toilette und Waschen – hoffnungslos gefroren. Draußen gibt es immer Winterklos, das ist ein Loch im Bretterboden, da plumpst Festes und Flüssiges rein, wenn man Glück hat, findet man bereit gestellt Laub und Zeitungspapier und eine kleine Schaufel zum Bedecken oder auch nicht. Eine wahre Begebenheit: Letztes Jahr ließ sich eine Winter-Trekking-Dame wegen dieser Ökoklos per Hubschrauber nach Katmandu ausfliegen, es war für sie das glückliche, vorgezogene Ende des Everest-Base-Camp-Treks.

Zermürbende Nacht verbracht – Augen auf – Blick aus dem Fenster – dickes Schneetreiben, also doch.

Frühstück, keiner hat gut geschlafen, Bergsteigertruppe für Island Peak-Besteigung kommt erstmal nicht, sie bleiben in Namche Bazar bis das Wetter sich bessert. Der Flugverkehr ist eingestellt.

Der Hüttenbesitzer und sein Begleiter beschließen den Abstieg und wenig später auch meine Guide und ich, es geht nicht höher, nur runter. Da ist er doch noch, der Winter im Himalaya. Mit Gesichtsmaske vermummt gegen Kälte und Wind geht es durch das Schneetreiben.

Unterwegs eine Gruppe Yaks, sie wird so langsam eingeschneit.

Nach ca. 1 ½ Stunden erreichen wir wieder das Family Guest House in Dingboche, Alle zu Hause Gebliebenen hätten mich nie wiedererkannt. Erleichterung. Übrigens, Erleichterung erinnert mich daran, dass ich im dicksten Schneetreiben auch noch pinkeln musste, es ging ohne Erfrierungen ab.

Erholungsschlaf – es ist Mittag, und wir dürfen, da Abstieg. Ich bringe es auf nur 4 Stunden, trotz Erschöpfung, mein Guide auf 5 Stunden, das ist Heimvorteil. Es schneit weiter, wer jetzt noch unterwegs ist, vor allem höher, hat echte Probleme, die Schlechtwetterfront, die vom Golf von Bengalen heraufzog, macht Träume zunichte. Auch ich muss mich mit dem Gedanken an weiteren Abstieg und Rückkehr anfreunden.

„Der Weg ist das Ziel“ und man selbst Spielball der Götter. Ich bin dankbar, dass ich ihnen so nahe sein durfte und dass sie mir ihre Zufluchtsstätten auf den Gipfeln täglich zeigten und nicht in Wolken verhüllten. Ich erklomm am nächsten Tag im Neuschnee noch einmal den kleinen Gipfel mit den Gebetsfahnen und der Stupa. Dort legte ich die Erinnerungssteine mit den Namen meiner Enkel und Familie und Freunden in kleiner Andacht nieder und nahm Abschied.

 

Am 13. Tag der Tour war ich wieder in Lukla, und am 14 Tag bestieg ich das Flugzeug nach Katmandu, nachdem in der Zwischenzeit der Flugverkehr wieder aufgenommen worden war. Auch auf dem Rückweg gab es noch anstrengende Etappen, und die erste heiße Dusche in Namche Bazar war trotz Abschiedsschmerz ein Genuss.

 

Alles hatte sich in seinem Winterkleid gezeigt, die Berge, Wälder, blau schimmerndes Eis, die ganze Tierwelt vom Pfau, dem nationalen Tier Nepals über Bergziegen und Hirsche, Greifvögel und Krähen. Nur der Schneeleopard und der Yeti blieben in ihren Verstecken. Ich glaube, sie feierten ein Fest der Winterfreude mit den Göttern und mit Chomolungma und mit Miyolangsangma, der „Everest-Göttin“. Sie hat mich übrigens zum nächsten Fest eingeladen. Die Botschafter, die sie mir sandte, waren die ersten zartvioletten Blüten des Himalayas.

 

Zur Nachahmung empfohlen, auch bei bereits vorhandenen Lachfalten im Gesicht.

Viel Spaß und Infos jederzeit

                                                                              Elisabeth Hornung

 

 

copyright Elisabeth Hornung. text, images, and other content

Trip to Everst Base Camp


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